Lange gesucht, endlich gefunden - 10 Röhrenamps (Voicings) mit Effekten im Pedalformat
Um erst mal auf das Wesentliche zu kommen. Chuck ist ein Röhrenamp und klingt wie ein Röhrenamp. Dazu hat er noch die für mich wichtigsten Basiseffekte (Reverb, Delay, Chorus, Compressor) mit an Bord und ist sehr einfach zu bedienen. Im Prinzip kann man mit dem Chuck sofort loslegen. Gitarre einstöpseln, den Chuck an eine Gitarrenbox, eine PA oder an seine Lieblingsendstufe anschließen und losrocken.
Oder man taucht tiefer ein, tweakt die Effekte im Expertenmodus und bastelt sich seine 7 Lieblingspresets. Zur Auswahl stehen 2 Cleane Amps (Voicing 2 klingt sehr schön Fender-mäßig), 4 Classic Amps (Marshall und Vox lassen grüßen) und 4 Modern Amps (Richtung Soldano, Bogner, Diezel …). Ich persönlich habe mir 7 Presets mit 2 Clean-, 4 Classic- und 1 Modern Voicing erstellt und gespeichert. Toll ist, dass man im ausgewählten Preset in einen "Pedalmodus" wechseln kann, in dem sich die Effekte ein- und ausschalten lassen, wie man es mit einem Pedalboard gewohnt ist. Die IRs klingen über die PA hammermäßig. Ich habe zudem eine Palmer Box mit einem 1x12" WGS ET65 4 Ohm Speaker. Die 25‑Watt-Endstufe (leider keine Röhre) reicht auf jeden Fall aus, um den Kampf gegen den Drummer zu gewinnen ;-). Den Speaker Output habe ich beim Chuck auf ca. +5 dB eingestellt. Über die PA macht das Ganze aber irgendwie mehr Spaß. Nur mit Gitarre und Chuck zum Proberaum. That´ s it!
Motivation: Warum habe ich mir den Chuck gekauft?
Ich mache jetzt seit mehr als 40 Jahren Musik und habe in der Zeit sehr viele Röhrenamps gespielt. Meinen ersten Amp, einen Fender Vibrolux Reverb, habe ich immer noch. Da man natürlich nicht jünger wird und die guten Röhrenamps (Combos oder Heads + Stack) nunmal einfach schwer sind (dazu kommen noch Pedalboards mit vielen Tretminen, Kabeln, Spannungsversorgung, MIDI‑Steuerung usw.), war ich auf der Suche nach etwas Kompaktem.
Ich bin dann von der Röhre zu verschiedenen Modellern (L6, Kemp, Fract) geswitcht, weil die beim ersten Anspielen unter Kopfhörern einfach hervorragend geklungen haben. Viele Amps, noch mehr Effekte und alles in einer kleinen Box. Toll.
Aber! Das richtige Spielgefühl war nie so richtig da. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich damit verbracht habe, das optimale Profile zu finden und zu tweaken. Dann habe ich immer wieder meinen Fender eingeschaltet und mir gedacht: „Das isses einfach".
Versteht mich nicht falsch. Modeller sind tolle Geräte, haben eine riesige Fanbase, und der geneigte Zuhörer wird den Unterschied zur Röhre nicht hören. Aber es geht eben nicht nur um das Publikum, sondern auch darum, wie ich mich beim Spielen fühle. Und ich fühle mich am wohlsten, wenn ich über einen Röhrenamp spielen kann. Genau dieses Spielgefühl habe ich beim Chuck! Direkte Ansprache, geile Sounds.
Kritikpunkte (Jammern auf hohem Niveau)
– Die Effekte kann man im Easy Mode und im Experten Mode betreiben. Wählt man den Expertenmodus (beim Delay kann man z.B. dann ein Tap-Tempo aktivieren), ist der jeweilige Effect-Drehregler dann inaktiv. Das finde ich schade. Hat man z.B. zu Hause den Effekt etwas zu stark oder schwach eingestellt (MIX Parameter), wäre es toll, wenn man den am Drehregler editieren könnte (wie im Easy Mode).
– Beim Reverb Effekt würde ich mir ein Springreverb Preset wünschen ;-)
– Der Chorus klingt wunderschön warm, wie ein Analogchorus. Hier wäre es natürlich sehr schön noch mehr Presets zur Auswahl zu haben, z.B. Dimension oder einen Phaser. Also insgesamt zusätzliche Effekte mit jedem neuen Firmwareupdate, wie das z.B. bei Fractal der Fall ist.
– Und ja klar, wenn die Auswahlmöglichkeiten steigen, braucht man natürlich auch mehr Speicherplätze und eine zusätzliche Verwaltung über Bänke.
– Das Auto--Wah ist jetzt nicht so mein Ding. Anstelle des Autowah-Schalters hätte ich lieber einen Compressor-Schalter.
Aber wie zuvor erwähnt, das ist Jammern auf hohem Niveau. Für mich steht in erster Linie der Röhrensound im Vordergrund, und der ist einfach klasse.
Underdog, das habt ihr gut gemacht. Ich kann den Chuck einfach nur weiterempfehlen!